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Frühlingsedition 2026: Geburt der Sonne

Wo werden Sterne, wo Ideen geboren?
Die Geburt der Sonne rückt Fragen des Neubeginns und der Teilhabe ins Zentrum: Wer kommt zu Wort, wer wird gesehen, wer schreibt mit am Bild dieser Stadt, an ihrer Vergangenheit und Zukunft?

Das Fokusthema eröffnet einen Raum des Aufbruchs. Lichtkunst wird zur Einladung, den öffentlichen Raum als gemeinsamen Möglichkeitsraum neu zu erfahren, als Ort des Neubeginns von Gesprächen, Beziehungen und Erinnerungen.

Licht ist hier zugleich künstlerisches Mittel, Thema und Kontext.

Die 1. Edition der Diachrome* 2026


* Diachrom ist die Bezeichnung für unsere künstlerischen Glas-Lichtfilter. Das Ausgangsmaterial der Diachrome sind 10cm kleine Hartgläser mit metallischer Präzisionsbeschichtung. In diese werden mit sehr hoher Auflösung künstlerische Grafiken eingearbeitet und in den Projektionen zu Lichtgrafiken, die bis zu 1.000-fach vergrößert werden, während wir Stadträume, Landschaften, Kathedralen, Höhlen, Ausstellungen und Versammlungsräume überschreiben.

 

Olaf Osten

MUTTER

 

 

Die Sonne ist der Ursprung allen Lebens auf unserem Planeten. Auf ihm sind wiederum die Frauen der Ursprung allen organischen Lebens.

Solange die Wissenschaft aus meiner Sicht keine nachvollziehbare Idee für den Zustand vor dem sogenannten Urknall hat, wärmt mich die uralte Vorstellung, daß auch die Sonne eine Mutter hat und ist. Als mein erklärter Lieblingsstern kommt er natürlich inmitten seiner unzählbaren Geschwister zur Welt. Mein Sujet hat sich zu einer gegenwärtig-archaischen Mischung aus Natur und Mythologie entwickelt, wie wir Menschen sie anscheinend brauchen.

Anmerkung: die Wirkung dieses Sternbildes steigert sich, sobald es gedreht wird (so wie der Nachthimmel sich dreht), weil die Frau so mal in tanzender, dann schwimmender oder auch schwebender Haltung mehr oder weniger abstrakt erscheint, ohne ihre Dynamik zu verlieren. Es gibt also nicht wirklich ein oben und ein unten, diese Bodenlosigkeit ist gewollt.

Ahoo Maher

KHORSHID KHANOM

 

 

Das Konzept dieser Arbeit basiert auf der Neuinterpretation einer historischen Figur aus der iranischen Lithografie-Tradition: eines Engels als Friedens- und Hoffnungsboten, der in der persischen Bildkultur in vielfältigen Formen erscheint. In dieser zeitgenössischen Adaption trägt die Figur eine Sonne in den Händen – „Khorshid Khanom“, eines der zentralen Symbole Irans. Diese Sonne besitzt ein weibliches Antlitz, hier angelehnt an die Ästhetik einer Qadschar-Frau, und verbindet mythologische Bildtradition mit gegenwärtiger Perspektive. Eine Sonne, die über Jahre hinweg im Dunst von Repression und historischen Brüchen zu versinken schien, wird durch die Bewegung des Engels erneut dem Himmel entgegentragen. Die Arbeit versteht sich nicht als direkte Abbildung politischer Ereignisse, sondern als poetische Metapher für kollektive Sehnsucht nach Freiheit, Würde und Erneuerung.

Die Projektion dieser Figur als Lichtinstallation auf Fassaden und urbane Räume ist integraler Bestandteil des Konzepts. Im Kontext des Festivals, das sich den Themen Frieden und Licht widmet, wird das Medium selbst zur Bedeutungsebene: Licht als Sichtbarmachung dessen, was im Schatten lag. Vor dem Hintergrund der weitreichenden Proteste der vergangenen Jahre, der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ sowie der jüngsten kriegerischen Entwicklungen, versteht sich diese Arbeit als leise, jedoch klare Resonanz auf die Forderungen einer Bevölkerung, die visuelle Antwort auf das Bedürfnis nach Gleichberechtigung, Freiheit und Frieden. Die Projektion wird so zu einem symbolischen Akt – ein Übergang vom Unsichtbaren ins Sichtbare, vom Verstummen zur Präsenz, von der Dämmerung ins Licht.

 

CHORUS OF THE ABYSS

Francesca Centonze

 

 

Ein lebendiges Archiv, aus dem vergessene, tabuisierte und marginalisierte aquatische Mythologien immer wieder auftauchen und einen Neuanfang suggerieren, wenn untergetauchte Stimmen sichtbar werden.

Die Zeichnung verwandelt den Unterwasserraum in eine Konstellation mythologischer Wesen. Hier tauchen Körper aus verschiedenen Traditionen auf, überlagern sich und koexistieren: Sirenen, Wassergeister, hybride Wesen und Meeresgötter. Griechische Sirenen, Najaden und Nereiden teilen sich die Tiefen mit der Lorelei vom Rhein, Melusine, Rusalkas, Selkies und Kelpies, während Mami Wata und Yemọja neben japanischen Wasserwesen wie Amabie, Ningyo, Kappa und anderen Yōkai schwimmen. Lokale Legenden, die Meerjungfrauen von Catania, Neapel und Zennor, vermischen sich mit literarischen und populären Figuren, von Andersens Kleiner Meerjungfrau bis hin zu zeitgenössischen Neuinterpretationen. Innerhalb der Zeichnung bilden diese Wesen eine dichte, fließende Ökologie: Menschliche, tierische und monströse Formen verflechten sich und lösen die Grenzen zwischen Arten, Mythologie und Geografie auf. Anstatt eine einzige Erzählung zu präsentieren, inszeniert das Bild eine Ansammlung von versunkenen Geschichten; ein visuelles Archiv, in dem marginalisierte, tabuisierte und vergessene Wasser-Mythologien gemeinsam wieder auftauchen. Gleichzeitig reflektiert das Werk über Anfänge: über den Ort, an dem alles beginnt. Diese aus der Tiefe auftauchenden Wasserwesen suggerieren die Möglichkeit eines neuen Kapitels; einen Übergang von untergetauchten, zum Schweigen gebrachten und unterdrückten Stimmen hin zu einer neuen Vision, in der sie endlich an die Oberfläche kommen, gesehen werden und ihre Präsenz und Handlungsfähigkeit zurückgewinnen können. Durch diese Ansammlung von Unterwasserfiguren evoziert die Zeichnung Blut, Begierde, Gefahr und Transformation, einen liminalen Raum, in dem Stimmen und Körper aus der Tiefe aufsteigen, um wieder das Licht zu erblicken.

 

Aldo Giannotti

FEEL FREE

 

 

Aldo Giannotti hinterfragt, wie Ordnungssysteme die soziale Realität prägen, und schafft Raum für kollektives Handeln – das Handeln des Neuen. Mit der Projektion schlägt er alternative, unerwartete Interaktionen vor. Wir freuen uns auf überraschende Bewegungen!

Aldo Giannotti ist ein in Wien lebender visueller Künstler, dessen Arbeit sich mit der Beziehung zwischen Zeichnung, Raum und sozialen Strukturen auseinandersetzt. Indem er die Zeichnung sowohl als konzeptuelles als auch als operatives Werkzeug einsetzt, hat er eine präzise Bildsprache entwickelt, die auf Minimalismus, Synthese und Prägnanz basiert und untersucht, wie räumliche Rahmenbedingungen Verhalten und kollektive Normen prägen.

Seine Arbeiten entfalten sich in vielfältigen Kontexten – von Kulturinstitutionen bis hin zu öffentlichen und virtuellen Räumen – und gehen eng auf die spezifischen sozialen, historischen und architektonischen Gegebenheiten jedes Ortes ein. Wenn er sich mit Ausstellungsräumen auseinandersetzt, behandelt Giannotti diese als verdichtete Modelle umfassenderer gesellschaftlicher Strukturen: Orte, an denen Regeln, Hierarchien und Systeme inszeniert und aufrechterhalten werden. Indem er diese Strukturen subtil verschiebt, legt er die Normen offen und hinterfragt sie, die sowohl innerhalb solcher Rahmenbedingungen als auch darüber hinaus wirken. Seine Zeichnungen fungieren als Blaupausen für räumliche und performative Situationen, die abstrakte Ideen in gelebte Erfahrung übersetzen. Durch Installationen, Performances, Videos und kollaborative Prozesse schafft Giannotti Umgebungen, in denen Rollen neu verhandelt werden können und Partizipation aktiv und selbstreflexiv wird. Seine Praxis schlägt alternative Formen der Interaktion vor, untersucht kritisch, wie Ordnungssysteme die soziale Realität prägen, und eröffnet neuen Räume für kollektives Handeln – the agency of the new.