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Ahoo Maher

Ahoo Maher wurde 1990 in eine Künstlerfamilie in Teheran geboren und lebt seit 2008 in Österreich. Sie studierte Musikpädagogik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien sowie Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien. Dort schloss sie 2017 ihr Studium der kontextuellen Malerei bei Ashley Scheirl ab. Seitdem stellt sie regelmäßig in Österreich und international aus. Ahoo arbeitet als freie Künstlerin und Kuratorin in Wien. Im Mittelpunkt ihrer Malerei, Performances und Installationen steht die Auseinandersetzung mit Lebensbedingungen von Frauen. Für die Wiener Lichtblicke thematisiert sie „Safe Spaces“, Schutzräume für Mädchen und Frauen.

You enter my safe space

Original: Interview-basierte Zeichnung, Wandmalerei

Der Ursprung der Lichtgrafik YOU ENTER MY SAFE SPACE von Ahoo Maher liegt in einem Projekt der kurdischen Filmemacherin Helin Celik. Für ihren in Kürze erscheinenden Dokumentarfilm „Anqa“ hat sie Frauen in Amman / Jordanien interviewt, die häusliche Gewalt erlitten haben. Diese Frauen mussten vor ihren Familien in die Außenbezirke der Stadt fliehen und sich dort anonym verstecken. In den Interviews beschreiben die Frauen ihre Traumvorstellung von sicheren Orten – Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer. Wie sollte das Sofa aussehen, wie das Bett? Wo könnte eine Lampe stehen, was sieht man, wenn man aus dem Fenster blickt? Jedes Detail wurde von den Frauen genau beschrieben. Gemeinsam mit der jordanischen Künstlerin Dalal Mitwally hatte Ahoo Maher die Interviews zunächst in Zeichnungen, dann in großformatige Wandmalereien auf Häuserfassaden in Amman übertragen. Die Lichtgrafik am Platz der Kulturen basiert auf der Zeichnung eines Schlafzimmers – der prekärste Raum häuslicher Gewalt und zugleich der intimste Rückzugsort eines »Safe Spaces«.

 

Khorshid Khanom

Das Konzept dieser Arbeit basiert auf der Neuinterpretation einer historischen Figur aus der iranischen Lithografie-Tradition: eines Engels als Friedens- und Hoffnungsboten, der in der persischen Bildkultur in vielfältigen Formen erscheint. In dieser zeitgenössischen Adaption trägt die Figur eine Sonne in den Händen – „Khorshid Khanom“, eines der zentralen Symbole Irans. Diese Sonne besitzt ein weibliches Antlitz, hier angelehnt an die Ästhetik einer Qadschar-Frau, und verbindet mythologische Bildtradition mit gegenwärtiger Perspektive. Eine Sonne, die über Jahre hinweg im Dunst von Repression und historischen Brüchen zu versinken schien, wird durch die Bewegung des Engels erneut dem Himmel entgegentragen. Die Arbeit versteht sich nicht als direkte Abbildung politischer Ereignisse, sondern als poetische Metapher für kollektive Sehnsucht nach Freiheit, Würde und Erneuerung.

Die Projektion dieser Figur als Lichtinstallation auf Fassaden und urbane Räume ist integraler Bestandteil des Konzepts. Im Kontext des Festivals, das sich den Themen Frieden und Licht widmet, wird das Medium selbst zur Bedeutungsebene: Licht als Sichtbarmachung dessen, was im Schatten lag. Vor dem Hintergrund der weitreichenden Proteste der vergangenen Jahre, der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ sowie der jüngsten kriegerischen Entwicklungen, versteht sich diese Arbeit als leise, jedoch klare Resonanz auf die Forderungen einer Bevölkerung, die visuelle Antwort auf das Bedürfnis nach Gleichberechtigung, Freiheit und Frieden. Die Projektion wird so zu einem symbolischen Akt – ein Übergang vom Unsichtbaren ins Sichtbare, vom Verstummen zur Präsenz, von der Dämmerung ins Licht.

Photo Credits: NIPAS / Helmut Prochart / Bildrecht