Francesca Centonze

Francesca Centonze wurde 1990 in Italien geboren und studierte an der Freien Universität Bozen sowie Transmediale Kunst an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Sie lebt und arbeitet zwischen Wien, Bozen, Triest und Mailand als Filmemacherin und Künstlerin im Bereich Video, Animation und Grafik. Ihre Kurzfilme und Animationen werden auf Festivals gezeigt und erhielten bereits mehrere Auszeichnungen.
Chorus of the Abyss
Ein lebendiges Archiv, aus dem vergessene, tabuisierte und marginalisierte aquatische Mythologien immer wieder auftauchen und einen Neuanfang suggerieren, wenn untergetauchte Stimmen sichtbar werden.
Die Zeichnung verwandelt den Unterwasserraum in eine Konstellation mythologischer Wesen. Hier tauchen Körper aus verschiedenen Traditionen auf, überlagern sich und koexistieren: Sirenen, Wassergeister, hybride Wesen und Meeresgötter.

Griechische Sirenen, Najaden und Nereiden teilen sich die Tiefen mit der Lorelei vom Rhein, Melusine, Rusalkas, Selkies und Kelpies, während Mami Wata und Yemọja neben japanischen Wasserwesen wie Amabie, Ningyo, Kappa und anderen Yōkai schwimmen. Lokale Legenden, die Meerjungfrauen von Catania, Neapel und Zennor, vermischen sich mit literarischen und populären Figuren, von Andersens Kleiner Meerjungfrau bis hin zu zeitgenössischen Neuinterpretationen. Innerhalb der Zeichnung bilden diese Wesen eine dichte, fließende Ökologie: Menschliche, tierische und monströse Formen verflechten sich und lösen die Grenzen zwischen Arten, Mythologie und Geografie auf. Anstatt eine einzige Erzählung zu präsentieren, inszeniert das Bild eine Ansammlung von versunkenen Geschichten; ein visuelles Archiv, in dem marginalisierte, tabuisierte und vergessene Wasser-Mythologien gemeinsam wieder auftauchen. Gleichzeitig reflektiert das Werk über Anfänge: über den Ort, an dem alles beginnt. Diese aus der Tiefe auftauchenden Wasserwesen suggerieren die Möglichkeit eines neuen Kapitels; einen Übergang von untergetauchten, zum Schweigen gebrachten und unterdrückten Stimmen hin zu einer neuen Vision, in der sie endlich an die Oberfläche kommen, gesehen werden und ihre Präsenz und Handlungsfähigkeit zurückgewinnen können. Durch diese Ansammlung von Unterwasserfiguren evoziert die Zeichnung Blut, Begierde, Gefahr und Transformation, einen liminalen Raum, in dem Stimmen und Körper aus der Tiefe aufsteigen, um wieder das Licht zu erblicken.



Non con la polvere ma con il pensiero


Beide Lichtgrafiken verweisen auf die konstruktive und kreative Kraft des Gegensätzlichen. Francesca Centonze zitiert Michela Murgia:
»Die Dialektik ist die Grundlage der Demokratie - ein System von Regeln, um Konflikte auf kreative und konstruktive Weise auszutragen. Die Demokratie ist das einzige System, das auf Konflikten beruht und auf Dissens gegründet ist.«
(Nicht mit dem Pulver, sondern mit den Gedanken)
In der Lichtgrafik #2307 zitiert Francesca Centonze die Maske aus dem Film „V for Vendetta“. Das Masken-Sujet ist von der „Schwarzpulververschwörung“ von 1605 inspiriert. Hier versuchten britische Katholiken in London während der Parlamentseröffnung, den protestantischen König und Parlamentarier zu töten. Als Sprengstoffexperte war Guy Fawkes einer der Hauptprotagonisten. Der Erfolg des Films machte seine Maske zu einer weltweiten Ikone; heute ist sie als Symbol für politische Subversion und Revolte gegen das etablierte System bekannt. Gleichzeitig ist sie aber auch ein Symbol der Zugehörigkeit und stellt damit ihre ursprüngliche Bedeutung als ein Zeichen der Auflehnung und der Nicht-Anerkennung auf den Kopf. 2011 wurde eine Vendetta-Maske im Volkskundemuseum Wien inventarisiert (Exponat ÖMV/ 85.312). Die Lichtgrafik #2306 (siehe Sammelkarten) zeigt drei Gesten: Pistole, Herz und Faust.


